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Ronaldinho: der spektakulärste Fussballer der Welt

Von: Hans Toggenburger

Im Sommer 2003 wechselte er zu Barça, wo der heute 27-jährige Brasilianer bis 2010 unter Vertrag steht. Unterdessen verdient Ronaldinho 23 Millionen Euro pro Jahr. Vorbild für unzählige junge Talente ist er aber wegen seiner gefürchteten Dribblings und Freistöss sowie seiner überraschenden Pässe. Ronaldinho ist Spektakel pur.

In seiner Jugend in Porto Alegre soll der am 21. März 1980 geborene Ronaldo de Assis Moreira in der Küche Stühle umdribbelt und als Gegenspieler vorzugsweise seinen Hund benutzt haben. Sein grosses Vorbild war der um einige Jahre ältere Bruder Roberto, der ebenfalls ein exzellenter Techniker gewesen ist, wegen verschiedener Verletzungen aber sein Talent nie voll ausschöpfen konnte. Von 1992 bis 1998 war Roberto Assis mit einem kurzen Unterbruch beim FC Sion angestellt, der damals besonders erfolgreiche Zeiten erlebte. Und während eines mehrmonatigen Aufenthalts spielte auch der kleine Ronaldo, Ronaldinho eben, einige Partien mit der U14 des FC Sion!

1997 begann der Stern zu leuchten
Erstmals auf sich aufmerksam machte Ronaldinho im Jahr 1997. Damals begann er seine Profikarriere bei seinem Stammverein Grêmio Porto Alegre und holte mit der U17-Nationalmannschaft Brasiliens den Weltmeistertitel, wobei der beidfüssige gleich starke Ronaldinho zum besten Spieler des Turniers gewählt wurde. Gleichzeitig wurde der "richtige" Ronaldo zum zweiten Mal in Folge zum Weltfussballer des Jahres gewählt. Weil man diesen zu Hause ebenfalls Ronaldinho nannte, wird "unser" Ronaldinho in Brasilien meist Ronaldinho Gaucho genannt; seine Homepage lautet denn auch ronaldinhogauch.com.

2001 der Sprung nach Europa
Ronaldinhos Sprung nach Europa war zunächst von Misstönen begleitet. Schon früh lagen Traumofferten für den Junioreninternationalen vor, so von PSV Einhoven (7 Millionen Euro) und Leeds United (angeblich 75 Millionen Euro), doch Porte Alegre pokerte zu hoch und musste 2001 froh sein, beim Transfer zu PSG wenigstens noch 5 Millionen erstreiten zu können. Bei Paris Saint-Germain brauchte Ronaldinho eine längere Akklimatisierungszeit, zumal Trainer Luis Fernandez von ihm Unmögliches verlangte, insbesondere Defensivarbeit? Zuletzt entwickelte sich Ronaldinho aber doch zum Star einer teuren, doch nur mittelmässigen Mannschaft. In 55 Partien erzielte er 17 Tore, nachdem es bei Gremio 37 in 110 Spielen gewesen waren.

2002 das neue Ro-Ro-Duo
Der grosse Durchbruch gelang Ronaldinho an der Weltmeisterschaft 2002 in Japan und Korea, wo Brasilien nicht zuletzt dank der Ballvirtuosität des erst 22-jährigen den Weltmeistertitel nach einem 2:0 Sieg gegen Deutschland gewann. Trainer Luiz Felipe Scolari war vor dem Turnier ein scheinbar grosses Risiko eingegangen, hatte er doch auf die Nomination des älter gewordenen Enfant Terrible Romario verzichtet. Trotzdem konnte Brasilien in der Offensive auf ein "Ro-Ro"-Duo vertrauen, statt Ronaldo-Romario nun aber Ronaldo-Ronaldinho. Unvergessen machte sich Ronaldinho mit einem im Viertelfinal gegen England direkt verwandelten Freistoss aus grosser Distanz. Solche unmöglichen Tore gelingen Ronaldinho immer wieder. Es kann auch vorkommen, dass er einen Freistossball frech unter der hoch springenden Mauer hindurch ins Tor schiebt?

Seit 2003 ein Katalone
Im Sommer 2003 wurde Ronaldinho für 25 Millionen Euro von Paris nach Barcelona geholt, wo sich Barça trotz klingender Namen seit einigen Jahren in einer währschaften Krise befand. Wiederum brauchte Ronaldinho einige Monate, um an seiner neuen Wirkungsstätte wirklich "anzukommen". Doch seither hat er zu einem wahren Sturmlauf an die ewige Weltspitze des Fussballs angesetzt, wo die Brasilianer dank Spielern wie Pele (Fussballer des Jahrhunderts) und Ronaldo (Weltfussballer 1996, 1997, 2002), aber auch Romario (Weltfussballer 1994) und Rivaldo (Weltfussballer 1999) besonders gut vertreten sind.

Der FC Barcelona spielt seit dem Eintreffen Ronaldinhos wieder an der Spitze der Primera Division (1. Rang 2005, 1. Rang 2006) und der Champions League mit (2005 Viertelfinal, 2006 Sieg, 2007 Achtelfinal). Und auch die brasilianische Nationalmannschaft schien, vor allem dank Ronaldinho, während einigen Jahren in entfernte Sphären entschwinden zu wollen - bis sie eine gemessen am eigenen Potenzial und den eigenen Ansprüchen miserable Weltmeisterschaft spielte und im Viertelfinal gegen den nachmaligen Vizeweltmeister Frankreich ausschied.

Auf der Suche nach der Höchstform
Solche Rückschläge sind im Fussball wohl unvermeidlich, und sie gingen für Ronaldinho persönlich noch weiter. Im März 2007 nahm ihm Nationaltrainer Dunga sogar das Trikot mit der Nummer 10 weg, und das Ausscheiden gegen Liverpool in der Champions League hing auch mit der Unterform Ronaldinhos zusammen.
Einerseits ist es kaum möglich, angesichts der Dauerbelastung im modernen Fussball ununterbrochen in Höchstform zu sein, anderseits galt Ronaldinhos Konzentration nicht mehr ausschliesslich dem Ball. Sein Bruder Roberto, nun sein Manager, handelte nicht nur vier Gehaltserhöhungen bei Barça auf mittlerweile acht Millionen Euro aus, sondern brachte Ronaldinho wochenlang bei der AC Milan ins Gespräch. Und während einige Jahre lang allein David Beckham das unumstrittene Zugpferd bei der Vermarktung von Fussballern darstellte, hat nun auch Ronaldinho mittlerweile 15 hochkarätige Werbeverträge abgeschlossen. Der spielerischen Leistung war dieser Zusatzeffort letztlich nicht förderlich. Allerdings war Ronaldinho im Herbst 2006 doch noch stark genug, um sofort in die Bresche zu springen, als die beiden Topstürmer Samuel Eto?o und Lionel Messi monatelang verletzt ausfielen. Mit 17 Treffern hielt er Barça im spanischen Titelrennen.

Nun aber hat Ronaldinho endgültig aus der Baisse herausgefunden. Gegen Chile hat er am 25. März nach 21 Monaten erstmals wieder für die Nationalmannschaft getroffen, und nach seinem "endgültigen" Bekenntnis zu Barça, welches nach wie vor im Titelrennen ist, liegt ihm wieder ganz Katalonien zu Füssen.

Und ausserdem:

2006 übergab die Künstlerin Kattielly Lanzini der Gemeinde Chapeco in Brasilien eine acht Meter hohe Ronaldinho-Statue. Nach dem Ausscheiden der Seleçao im WM-Viertelfinal wurde sie von wütenden "Fans" zerstört.

Gemäss einer Studie von BBDO Consulting vom März 2006 verfügt Ronaldinho über einen Marktwert von 47 Millionen Euro. Es folgten: 2. David Beckham 44,9; 3. Wayne Rooney 43,7; 4. Samuel Eto?o 30,7; 5. Lionel Messi 30,4; 6. Zlatan Ibrahimovic 30,1; 7. Ronaldo 29,4; 8. Frank Lampard 28,8; 9. Thierry Henry 28,7; 10. Michael Ballack 28,6; 11. Steven Gerrard 27,6 ; 12. Raul Gonzalez 27,2 ; 13. Zinedine Zidane 27,1 ; 14. Cristiano Ronaldo 26,8; 15. Didier Drogba 26,4 ; 16. Alessandro Del Piero 18,6 ; 17. Ryan Babel 18,2 ; 18. Ruud van Nistelroy 17,4 ; 19. Lukas Podolski 16,3 ; 20. Andrej Schewtschenko 14,3.

Gemäss transfermarkt.de beträgt der Marktwert Ronaldinhos 70 Millionen Euro.

Gemäss einem Artikel im französischen Magazin "Françe Football" vom April 2006 ist Ronaldinho zum Spitzenverdiener des Fussballs aufgestiegen: 1. Ronaldinho 23 Millionen Euro (9 Millionen vom Verein inklusive Prämien / 14 Millionen Werbeeinnahmen), 2. Beckham 18 (6,4 / 11,6), 3. Ronaldo 17,4 (6,4 / 11), 4. Rooney 16,1 (5,3 / 10,8), 5. Vieri 16 (13 / 3), 6. Zidane 15 (6,4 / 8,6), 7. Del Piero 11,5 (4,5 / 7), 8. Lampard 9,8 (7,8 / 2), 9. Henry 9,8 (4,9 / 4,9), 10. Terry 9,7 (6,6 / 3,2), 11. Gerrard 9,2 (7,2 / 2), 12. Kahn 9,1 (6,4 / 2,7), 13. Ferdinand 9 (7,3 / 1,7), 14. Raul 8,9 (6,4 / 2,5), 15. Owen 8,7 (5,2 / 3,5), 16. Van Nistelrooy 8,5 (6,5 / 2), 17. Ballack 8,5 (5,9 / 2,5), 18. Totti 8,3 (5,7 / 2,6), 19. Kewell 7,9 (6,1 / 1,8), 20. Vieira 7,5 (5,3 / 2,2).

Im März 2004 zerschoss Ronaldinho bei Dreharbeiten für einen TV-Werbung ein Fenster der im 12. Jahrhundert erbauten Kathedrale Santiago de Compostela.

Im November 2006 verurteilte ein Gericht in Sao Paolo Ronaldinho zu Unterhaltszahlungen von 7500 Euro monatlich an die brasilianische Tänzerin Janaina Nattielle Viana Mendes für seinen zweijährigen unehelichen Sohn. Unter Umständen werden diese Zahlungen noch wesentlich erhöht werden.

Palmares: U17 Weltmeister 1997, Weltmeister 2002, Sieg Confoederations Cup 2006, Champions League 2006, UI-Cup 2001, Spanische Meisterschaft 2005, 2006; Weltfussballer des Jahres 2004, 2005 (2006 Rang 3), Europas Fussballer des Jahres 2005, bester Spieler U17-WM 1997 u.v.m.

Klubs: Barcelona 108 (52 Tore), Paris SG 55 (17), Grêmio Porto Alegre 110 (37), Nationalmannschaft 73 (29) ? Stand Ende März 2007.


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